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Theater macht Politik

werkstatt zu forumtheater und legislativem theater

Monat

Januar 2013

Forumtheater in der Organisationsentwicklung

Boal Democracy

Forumtheater arbeitet in vielen Schritten, um von der einfachen Ausdrucksfähigkeit einer Belastung zu eine breiten Palette von Lösungsmöglichkeiten zu kommen, und vielleicht auch noch zu einer gemeinschaftlich umsetzbaren Strategie.

Falls dafür auch noch gesetzliche Regelungen geändert werden müssen, ist das Legislative Theater dafür zuständig, das Augusto Boal in seiner Zeit als Abgeordneter der Stadt Rio de Janeiro – wie die anderen Methoden vorher – zusammen mit seinen Theatergruppen entwickelt hat.

In der Organisationsentwicklung konzentrieren wir uns auf die Schritte, die für den vorliegenden Prozess gebraucht werden.

Das beginnt immer mit der Beteiligung aller Betroffenen, ihnen die Stimme und die Stimmung zu geben, ihre eigen Situation auszusprechen und alle damit verbundenen Belastungen los zu werden.

In der Darstellung von exemplarischen Szenen wird zum Einen schon die Konzentration im Austausch der darstellenden Kleingruppe erhöht, als zweites reagiert die Restgruppe als Publikum mit Nachfragen und Veränderungsversuchen, setzt sich also ebenfalls intensiv damit auseinander. Oft ist das An- und Aussprechen schon die Lösung, und für weitere Schritte ist eine weitere Planung nötig.

In der Vielfalt der Themen aller Teilnehmenden kristallisiert sich in den Gruppen die Bereitschaft und Kraft für selbst gesteuerte Veränderung, und eine erweiterte Gruppe kann durch szenische Vorstellung ebenso eingebunden werden: Ob Eltern, Kunden, Patienten, Kinder oder Nachbarschaften, Politiker und Verantwortliche, Presse und Publikationen, die Darstellung der Veränderung durch die Beteiligten wird ermöglicht und schafft neue Motivationen der Zusammenarbeit. Intensivierungen und weitere Pflege der Kontakte kann das bürgerschaftliche Mitwirkungsfeld zu einer hohen Akzeptanz und Wertschätzung ausbauen.

Kompetenz in offener Kommunikation zugeschrieben zu bekommen – Besseres kann sich kaum jemand wünschen.

Fritz Letsch, seit 1981 als Theaterpädagoge mit dem Theater der Unterdrückten und vor allem Forumtheater sowie Zukunftswerkstätten in Bildungsarbeit und Einrichtungen freiberuflich tätig,
Gestalttherapeut AKG und Coach in Berufsvorbereitung und betrieblicher Praxis bollmannsruh

Ein besonderes Beispiel: http://kurier.at/lebensart/kiku/schauspielerisch-nach-aus-wegen-suchen/2.472.588

http://forumtheater.wikispaces.com/Baustelle bekommt die Weiterführungen

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrene

Auch dort ist eine gute Zusammenstellung zu Mollath verlinkt:

http://lpc.fioresardo.net/cms/2012/11/der-fall-mollath-2/

Theater-Methoden in der Organisationsentwicklung

Wenige methodische Ansätze sind in der Lage alle Beteiligten zu erfassen und zu aktivieren, wenn es um Veränderung geht. Die Frage, wie binde ich alle ein, erschreckt oft, denn die Menge der Diskussionen und die Vorstellung von vielen sequentiellen Workshops sind aus vielen Aspekten ein Horrorszenario, ganz zu schweigen vom Transfer. Eine Antwort haben wir in den Theatermethoden von Augusto Boal und mit dem VisionsTheater® gefunden.

Augusto Boal hat in seinem Einsatz für demokratische Beteiligung die Ziele von Bert Brecht, ein interaktives Theater für alle zu entwerfen, weiter verfolgt und vom Bilder-Theater über das Forum-Theater bis zum Legislativen Theater neue Formen entwickelt, die unsere Kommunikation in der gesamten Gesellschaft in Gang bekommen können.

So läuft das beispielsweise, wenn Einbindung und Vergemeinschaftung Hand in Hand gehen:

Zwei Kinder spielen ihre Situation: Sie hören an der Tür den abendlichen Streit der Eltern, und plötzlich deren Entschluss, sich nun endlich zu trennen. Erschrocken meinen sie, sie müssten sich ebenfalls trennen, eins zu Mutter, eins zu Vater … und suchen nach Lösungen. Eine Tante fällt ihnen ein …

Die Szene wurde von Studierenden mit einer Kindergruppe von binationalen Familien geschaffen, deren Arbeitsthema kulturelle Konflikte sind. und auf einem großen Familientag in München durch die Kinder vorgestellt.

Zahlreiche Lösungsversuche kamen von allen anderen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in verschiedenen Sprachen, bis „die Tante“ die verschiedenen Möglichkeiten probiert hatte. Alle Anwesenden waren gefesselt, und die vielsprachlge Übersetzung fand im raunenden Publikum statt – intensivste Verständigung begann.

Der Chef des Einkauf einer großen Versicherung fliegt mit dem Vorstandsvorsitzenden (VV) in die USA, um die neuen Verträge für Lizenzen und Dienstleistungen zu unterzeichnen. Er sieht die ausgehandelten Verträge durch und bemerkt, dass Leistungen von etwa 25 Millionen nicht enthalten sind. Er zupft den VV am Ärmel, aber dieser lässt sich im Gespräch mit seinem bedeutenden Gegenüber nicht stören – und unterzeichnet dann die Verträge. Auf dem Rückflug spielt der VV die Sache herunter, der Chef des Einkaufs bleibt auf seinem Ärger sitzen. Hierarchie eben.

Doch im Einkauf brodelt der Ärger weiter, alle KollegInnen dort fragen sich, wofür sie so intensiv gekämpft haben. Ein Kommunikations-Seminar wird gebucht. Allerlei Szenen entstehen, und dann: Die Millionen-Szene. Vorgestellt, Varianten erprobt, die Hilflosigkeit gespürt. Später im Forum wuchs durch einige szenische Lösungsversuche das Verständnis für den Ärger des Kollegen und spielerisch tauchen Lösungsvorschläge auf, die den scheinbaren „Benimm“ in manch einer oberen Etage als Handlungs- und Kommunikationsunfähigkeit, die hoch gefährlich sein kann, entlarvt.

Theater braucht Spannung, wenn es nur schön ist, wird es langweilig. In jedem Ärger sitzt – manchmal noch etwas versteckt – die Spannung unseres Lebens: Miteinander oder Gegeneinander? Die Gruppe fand zu den ihrer Kultur passenden Umgang.

Den eigenen Ärger darzustellen, eine kleine Szene aufstellen, ergibt im Nu schon den Kern eines Forum-Theater. Für das Publikum brauchen wir danach noch eine einführende Szene, damit es versteht, in welchem Kontext der Konflikt steht, und schon können wir in der Gruppe erproben, ob wir verstanden werden. Das Publikum erlebt ein kleines Stück, der Autor erlebt die Reaktionen des Publikums, gemeinsam entstehen Lösungen.

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