VALEAT

Eine neue Philosophie der Zukunft müsste die reflexiven Räumen der Orakel neu erschließen. Und darin eine Position der Gelassenheit einnehmen. Gelassenheit nicht im Sinne der kalten Gleichgültigkeit, sondern der serenitas: Gefestigtheit, die nicht immer gleich bewertet, Betrachtung, die auf Anregung verzichtet. Sie lässt uns das überwinden, was der Journalist und Autor Holm Friebe treffend das „Kindchenschema des Fortschritts“ nannte. Jene Gegenwartseitelkeit, in der wir uns in einer ganz besonderen, extrem gefährlichen, nie wiederkehrenden Super-Sonder-Zeit wähnen, einem XXL-Moment der Geschichte, in dem sich das Schicksal der Menschheit entscheidet.
Eine Zukunftsphilosophie hat nicht die Aufgabe, Ängste oder Erlösungsbilder zu verstärken oder zu illustrieren. Sondern: Provokation (von pro-vocare – hervorrufen) komplexerer Weltbilder. Die neue Futurologie organisiert Störungen im Sinne der Offenheit für das Geheimnis der Welt.

Philosophie-Magazin "Hohe Luft", Ausgabe 1/2014 Philosophie-Magazin „Hohe Luft“, Ausgabe 1/2014 Matthias Horx (Jahrgang 1955) in der Philosophiezeitschrift „Hohe Luft“ 1/2014

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