Wenn Bücher verboten wurden, war es immer sehr viel interessanter, was sie an gefährlichen Gedanken enthalten konnten. In den großen Bibliotheken gab es schon die verschlossenen Kästchen über den Eingangstüren, den „Giftschrank“ in den nur der Bibliothekar Zugang gewähren konnte:

Freigeister, die von der Gleichberechtigung der Menschen, von Herrschaftslosigkeit, heute manchmal Anarchie genannt, und von „Der Freiheit der Christenmenschen“ erzählten …

Heute haben wir die „Alternativlosigkeit“ als Gleichgültigschaltung unddie Verschwörungstheorie als Gleichschaltung der Medien … wie einen „Giftschrank“.

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Bücher sind eigentlich schwach: Nach einem Sturz in die Wanne sind sie ziemlich mitgenommen, nervöses Umblättern lässt schon mal eine Seite einreißen und genauso, wie uns die Jahre ins Gesicht geschrieben stehen, kann auch ein Buch sein Alter nicht verbergen.

13187665554_f25f6d8207_z flickr.com von Lena cc 2.0

Vielleicht resultiert aus dieser Schwäche der Wunsch, Bücher zu schützen. „ Heute liest ja kaum noch einer!“ – „Zu meiner Zeit wurde mir immer vorgelesen!“ – „ Weiß doch keiner mehr, wie ein Buch aussieht.“ Deswegen verschenken wir gerne Bücher, damit diese vom Aussterben bedrohte Art weiterleben kann. Wir reden über Bücher (aber nur die anspruchsvollen) und zerreden Bücher, die es nicht wert sind, in den ehrwürdigen Kanon aufgenommen zu werden. Besonders Kinder sind von dieser Haltung betroffen. Da werden vergammelte „5 Freunde Bände“ feierlich weitergereicht, als würde es sich um den heiligen Gral handeln, pädagogisch wertvolle Bilderbücher mit Sorgfalt ausgesucht und jeder Jugendroman, der…

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